Es gibt Orte in Venedig, die wie geschaffen dafür sind, langsam erlebt zu werden – vielleicht im geteilten Schweigen und im Austausch von Blicken. San Giorgio Maggiore ist einer davon: eine kompakte, helle Insel gleich hinter dem Markusplatz, die ein intimeres Erlebnis bietet und, ohne es zu sehr auszusprechen, eine tief berührende Atmosphäre. Bis zum 22. Februar 2026 gewinnt San Giorgio Maggiore zusätzlich an Reiz durch die Präsenz eines zeitgenössischen illuminierten Manuskripts von Luc Tuymans, das dazu einlädt, die Insel durch die Kunst zu entdecken.
Dies ist keine Ausstellung, die man hastig besucht. Vielmehr ist es eine Begegnung – ein schwebender Moment, in dem zeitgenössische Kunst, Architektur und Stille auf natürliche Weise ineinandergreifen.
Die Abtei San Giorgio Maggiore: ein Dialog zwischen den Epochen
Das Projekt entfaltet sich innerhalb der Abtei San Giorgio Maggiore, einem der elegantesten und harmonischsten Orte des palladianischen Venedigs. Hier hat die benediktinische Gemeinschaft seit einigen Jahren einen einzigartigen Weg eingeschlagen und lädt zeitgenössische Künstler dazu ein, die Tradition der Chorbücher neu zu interpretieren – jener illuminierten Handschriften, die über Jahrhunderte die Liturgie der Stunden begleitet haben.
Das Manuskript von Tuymans ist auf dem hölzernen Lesepult des Badalone im Zentrum des Chors des Hochaltars platziert. Diese symbolische Position ermöglicht es dem Werk, direkt mit der Geschichte des Ortes in Dialog zu treten. Die gemalten Seiten drängen sich nicht auf, sondern begleiten den Blick mit dichten, reduzierten Bildern, die mehr andeuten als erklären.
Neben dem Manuskript sind in der Basilika auch die beiden Gemälde Heat und Musicians zu sehen, die Tuymans geschaffen hat, um vorübergehend den Platz der großen Leinwände von Tintoretto einzunehmen, die sich derzeit in Restaurierung befinden. Der Vergleich ist behutsam und nie erzwungen – ein Dialog aus Verweisen, Pausen und Licht.
Eine Kunst, die zum Innehalten einlädt
Luc Tuymans ist bekannt für eine Malerei, die sich mit Erinnerung und ihren Ambivalenzen auseinandersetzt. In diesem Kontext wird seine Sprache noch leiser und introspektiver. Das Werk verlangt kein spezielles Vorwissen, sondern Aufmerksamkeit. Es ist eine Kunst, die sich besonders gut gemeinsam erleben lässt, indem man Eindrücke teilt und Raum für persönliche Deutungen lässt.
Hier ist das kulturelle Erlebnis untrennbar mit dem Ort verbunden: Alles trägt zu einer konzentrierten, beinahe schwebenden Atmosphäre bei, die den Besuch zu mehr macht als nur zu einer weiteren künstlerischen Station.
Die Insel erreichen: eine kurze Reise über das Wasser
San Giorgio Maggiore zu erreichen ist einfach, aber bedeutungsvoll. Nur wenige Minuten mit dem Vaporetto vom Markusplatz entfernt eröffnet sich ein anderes Venedig – offener, weniger überlaufen. Diese kurze Überfahrt über das Wasser markiert bereits einen Rhythmuswechsel, als würde die Stadt dazu einladen, sie aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Einmal auf der Insel angekommen, ist alles auf ein langsames Tempo abgestimmt: die Basilika, die offenen Flächen, die Stille, die nur vom Wind und vom Wasser unterbrochen wird. Es ist der ideale Rahmen, um Kunst ohne Ablenkung zu erleben.
Der Glockenturm: einer der bewegendsten Ausblicke auf Venedig
Der Besuch findet seinen natürlichen Abschluss im Aufstieg auf den Glockenturm von San Giorgio Maggiore. Weniger frequentiert als andere Aussichtspunkte, bietet er einen weiten und ausgewogenen Blick über die Stadt: den Markusplatz, das Becken, die Kuppeln und die aus dem Wasser aufragenden Dächer.
Von oben wirkt Venedig beinahe abstrakt, geometrisch, in Licht getaucht. Ein Erlebnis, das sich ganz ohne große Worte einprägt.
Ein anderes Venedig, das man mitnimmt
San Giorgio Maggiore durch die Kunst von Luc Tuymans zu entdecken, bedeutet, sich für ein diskreteres, aber zutiefst intensives Venedig zu entscheiden. Ein Ort, an dem zeitgenössische Kunst, Spiritualität und Architektur im Gleichgewicht zusammenleben und ein Erlebnis bieten, das von Zeit, Aufmerksamkeit und geteilter Schönheit erzählt. Es ist ein Venedig, das nicht beeindrucken will, sondern in Erinnerung bleibt – und oft ist es genau dieses ruhigere, gesammelt wirkende Venedig, das am längsten nachhallt.
Der Besuch dieser Insel fügt sich ganz natürlich in einen Aufenthalt ein, der ohne Eile erlebt wird. Wenn Sie darüber nachdenken, in dieser Zeit in Venedig zu bleiben, können Sie direkt hier buchen und Ihre Zeit in der Stadt nach dem Rhythmus gestalten, der Ihnen am meisten entspricht.